Wege aus der Gewalt in der häuslichen Pflege vor dem Hintergrund einer 24h-Pflege

Es ist ein Tabuthema, doch es gibt sie tatsächlich – die Gewalt in der häuslichen Pflege. Lesen Sie hier mehr über Zustandekommen und Lösungen.Beratungsstellen und Psychologen müssen sich tagtäglich mit dem Unvorstellbarem auseinandersetzen. Dann nämlich, wenn der pflegenden Tochter das erste Mal die Hand ausgerutscht ist oder der betreuende Ehemann hassgeprägte Schimpftiraden von sich gibt, wird es mehr als emotional. Gewissensbisse, Selbstzweifel, Schuldgefühle und Zukunftsängste; für Psychologen fast immer ein Zeichen von akuter Überforderung. Ein Tropfen, der das sowieso schon bis an den Rand gefüllte Fass zum Überlaufen bringt; damit lässt sich die Gefühlswelt vieler langjährig pflegender Angehöriger beschreiben.

Öffentlich wird Gewalt in der häuslichen Pflege aber fast nie. Im Gegensatz zu Vorkommnissen in stationären Einrichtungen, über die zahllose Zeitungen und Magazine im Nachhinein berichten, schwebt über Gewalttaten unter Familienangehörigen das Siegel der Verschwiegenheit. Vielleicht bekommen die Nachbarn etwas mit, wenn es im Nebenhaus ungewöhnlich laut wird. Aber wie auch in gesunden Jahren schließlich nicht über Interna aus der Familie geredet wurde, bleibt es auch bei Gewalt in der häuslichen Pflege oft beim Stillschweigen. Nur dann, wenn es wirklich nicht mehr geht, suchen pflegende Angehörige Hilfe. Erst dann, wenn es passiert ist und das unerträgliche Gefühl der Ohnmacht einsetzt, wenden sich Angehörige an Beratungsstellen oder Psychologen.

Wenn die Mücke zum Elefanten wird

In der Regel sind es nur Kleinigkeiten, die pflegende Angehörige an den Rande des Wahnsinns – und damit zu Gewalttaten treiben. Die Mutter weigert sich beharrlich, sich von der Tochter ankleiden zu lassen, obwohl sie endlich den so wichtigen Arzttermin wahrnehmen soll. Die demente Ehefrau bringt ihren pflegenden Gatten jede Nacht durch lautes Singen zur Weißglut; irgendwann weicht das Verständnis für Erkrankung und Alter der Aggression.

Aggressionen sind aber ganz normal und sogar menschlich; sofern sie sich nicht in Gewalt äußern. Dabei geht es auch nicht nur um körperliche Gewalt, sondern auch die psychische, die so sehr wehtun kann. Eine reine Aggression, die nicht in Gewalt in der häuslichen Pflege ausartet, ist insbesondere bei langjährig pflegenden Familienangehörigen natürlich und nachvollziehbar. Der früher den Ton angebenden Vater entwickelt sich durch eine Demenz zurück zum störrischen Kleinkind und ist auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen. Die im Alter unter Depressionen leidende Mutter verhält sich so ganz anders als noch vor fünf Jahren. Die eigenen Familienmitglieder werden fremd, was das Verhältnis stark belastet und die Geduld auf eine starke Probe stellt.

Hinzu kommen Details aus dem pflegerischen Alltag, die die Sache nicht besser machen. Windeln wechseln, bei der Körperhygiene helfen oder gar Füttern – kaum ein heute pflegender Angehöriger hätte es sich früher denken können, zu welchen Taten er imstande ist. Nicht selten sind es aber gerade die Kinder und Enkel, die ihren Eltern oder Großeltern in gesunden Zeiten noch versprochen haben, sie nicht der Pflege einer stationären Unterbringung zu überlassen. „Abschiebung“ lautet das so negativ belastete Wort, das immer über dem Gewissen von pflegenden Angehörigen thront und sie zum weitermachen zwingt. Gepflegt wird also weiter – weit über die Belastungsgrenzen hinaus, was dann das Risiko zur Gewalt bei der häuslichen Pflege birgt.

Senioren sind nicht immer einfach

Das Alter selbst kann belastend sein und Senioren einen Teil ihrer Eigenständigkeit nehmen. Kommt dann noch eine Erkrankung hinzu, sind Wesensänderungen nachvollziehbar. Der kräftige Mann, der heute nicht mehr sein geliebtes Auto fahren darf, muss mit dem Wegfall seiner Mobilität und damit verbundenen Freiheit erst einmal klarkommen. Auch die Frau, die den Tod ihres langjährigen Ehepartners verkraften muss, neigt zu depressiven Stimmungen und Teilnahmslosigkeit. Schnell sind dann aus Wut, Scham und Ehrgefühl Wörter ausgesprochen, die vielleicht gar nicht so gemeint waren.

Noch gravierender äußern sich Wesensänderungen bei psychischen Erkrankungen und Demenz. Aus der vor Kurzem noch leicht „tüddeligen“ Großmutter kann schnell eine fast schon bösartige Frau werden; ganz ohne emotionales Bewusstsein. Auch wenn sich Familienangehörige immer wieder sagen, dass Mutter oder Vater schließlich nichts dafür kann, bleibt immer ein fader Nachgeschmack. Bei progredienten Krankheiten wird es jedoch nicht einfacher, sondern eher schlimmer und auch die verbalen oder körperlichen Attacken nehmen zu. Die Gewalt in der häuslichen Pflege geht nicht immer von den pflegenden Familienangehörigen aus, sondern betrifft auch die Pflegefälle selbst.

Loslassen ist nicht leicht

Wer viele Jahre über selbst seine Eltern oder Großeltern gepflegt hat, gibt seine Verpflichtung nur ungern aus den Händen. Zunächst ist es natürlich das Familienband, das die Familienmitglieder miteinander verbindet. Zur eigenen Familie hat (oder hatte) man naturgemäß ein ganz anderes, inniges und eben familiäres Verhältnis. Fremde Fachkräfte werden zunächst als Störfaktor betrachtet. Darüber hinaus weiß der pflegende Angehörige über die pflegerischen Maßnahmen und individuellen Charaktereigenschaften seines Schützlings sehr gut Bescheid, sodass fremde Pflegekräfte in der Regel mit Argusaugen beobachtet werden.

Dennoch sollte und muss sich jeder pflegende Angehörige fragen, wann seine individuelle Belastungsgrenze erreicht ist und rechtzeitig nach entsprechenden Alternativen suchen. Dies geschieht im Idealfall schon dann, bevor Gewalt in der häuslichen Pflege überhaupt ein Thema wird.

Alternativen ohne schlechtes Gewissen

Überlastete Familien wenden sich oft an einen mobilen Pflegedienst, um sich Entlastung zu suchen. Dieser kommt, je nach Krankheitsgrad und diagnostizierter Notwendigkeit stundenweise ins Haus. Zwar werden dadurch auch pflegerische Aufgaben übernommen, aber die Betreuung an sich – und damit auch der Großteil der Belastung – verbleibt bei den Familienangehörigen selbst.

Bei einer 24-Stunden-Betreuung wird hingegen auch der Großteil der persönlichen Betreuung auf fremde Pflegekräfte übergeben, sodass die vormals pflegenden Angehörigen ihrem normalen Alltag wieder nachgehen können. Bis auf die wegen Freizeit zu überbrückende Zeit ist immer jemand vor Ort, der den oder die Senioren betreut und versorgt.

Dieses Konzept dieser Seniorenbetreuung bietet einen ungeahnt großen Vorteil durch die Tatsache, dass es sich bei den Pflegepersonen zunächst um Fremde handelt. Ohne jegliche Belastung durch Familienzugehörigkeit und Beziehungen zu den Senioren kümmern sich die Betreuerinnen aus Osteuropa um geregelte Abläufe. Sie leben im Haushalt der Senioren, übernehmen Einkäufe, bereiten die Mahlzeiten zu und kümmern sich um das gesundheitliche sowie psychische Wohl der Senioren.

Die Pflegekräfte aus Osteuropa lernen ihre neuen Schützlinge ganz unvoreingenommen kennen. Dies bedeutet gleichzeitig auch, dass sie professionell sind und dank ihrer Erfahrung ein etwas „dickeres Fell“ gleich mitbringen. Auch Pflegebedürftige selbst spüren natürlich diese erste Distanz und präsentieren sich in der Regel von ihrer besten Seite. Das, was sie sich mitunter bei ihren eigenen Kindern oder Enkel „rausnehmen“, trauen sie sich bei fremden Personen regelmäßig nicht.

Erst langsam wächst so auf eine gesunde Art und Weise eine Beziehung zwischen Pflegekraft und Senior heran, die mit wenigen Ausnahmen durchaus als harmonisch betrachtet werden kann. Der Gewalt in der häuslichen Pflege kann effektiv vorgebeugt werden, ohne das Familienleben selbst zu stören. Besuche und gemeinsame Aktivitäten werden durch die 24h-Betreuung in keinster Weise in Mitleidenschaft gezogen. Ganz im Gegenteil wirkt sich der Wegfall der Belastung wieder positiv auf das Verhältnis der Familie untereinander aus.

24-Stunden-Pflege durch Pflegekräfte aus Polen

Ganz Deutschland leidet unter einem akuten Personalmangel in der Pflegebranche, sodass die Vermittlung von Haushaltshilfen und Pflegekräften aus Osteuropa Hochkonjunktur hat. Hier finden Sie die Möglichkeit einer Suche für Anbieter der 24h-Pflege, wie bspw. CareWork.

Dieser Beitrag wurde von Werner Tigges erstellt.

Über den Autor:

Werner Tigges, der Diplom-Sozialpädagoge und Autor von Fachbüchern aus dem sozialen Bereich widmet sich seit vielen Jahren der fach- und sachgerechten Seniorenbetreuung sowie der Behindertenarbeit. Als Vorstandsmitglied des Wohnberatung-Pojekts des Sozialministeriums NRW, des Bundesverbandes Haushaltshilfe SeniorenBetreuung e.V. und Verwaltungsratsmitglied der Barmer GEK wird Werner Tigges tagtäglich mit den Problemen und Nöten von Senioren und Pflegebedürftigen konfrontiert, denen er durch seine beratende Funktion aktiv entgegenwirkt.

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